Österreich stellt seinen Umgang mit Bodenaushub auf den Prüfstand – und könnte damit auch in Deutschland eine wichtige Debatte anstoßen. Mit einer geplanten Aushub-Verordnung will das Nachbarland künftig verhindern, dass riesige Mengen potenziell nutzbarer Erde einfach auf der Deponie landen. Die Entsorgungsbranche sieht darin einen Meilenstein für mehr Kreislaufwirtschaft im Bausektor. Während in Wien bereits konkrete Gesetzespläne auf dem Tisch liegen, bleibt in Berlin vieles vage. Was machen die Österreicher anders – und könnte ihr Modell zum Vorbild für Deutschland werden?
Aushub-Verordnung in Österreich: Mehr Kreislauf, weniger Deponie
Österreich steht vor einem tiefgreifenden Wandel im Umgang mit Bodenaushub. Bislang gelten die gewaltigen Mengen, die bei Bauprojekten anfallen, rechtlich als Abfall – mit entsprechenden Konsequenzen: Sie werden in der Regel deponiert oder teuer zwischengelagert. Doch genau das soll sich ändern. Eine neue, bislang noch nicht beschlossene Aushub-Verordnung soll den Weg frei machen für eine konsequente Wiederverwertung dieser Massenströme – möglichst direkt vor Ort.
Laut dem Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) machen Aushubmaterialien etwa 57 % des gesamten Abfallaufkommens in Österreich aus – das entspricht mehr als 38 Millionen Tonnen im Jahr 2023. Das Potenzial zur Wiederverwertung ist dabei enorm: Fachleute gehen davon aus, dass rund 95 % des Bodenaushubs als wiederverwertbare Ressource gelten. Genutzt werden könnten sie etwa als Schüttmaterial, im Straßenbau oder sogar als Bestandteil für Beton.
Das zuständige Landwirtschafts- und Umweltministerium unter ÖVP-Führung arbeitet derzeit an der Koordination der Verordnung mit den Koalitionspartnern. Noch ist das Regelwerk nicht in Begutachtung, doch der politische Druck steigt. Denn: Die derzeitige Praxis ist teuer, wenig effizient und ökologisch fragwürdig – vor allem, wenn die Massen über weite Strecken transportiert oder schlicht deponiert werden.
Der VOEB sieht in der Aushub-Verordnung eine zentrale Stellschraube, um Emissionen zu senken, Kosten zu reduzieren und den Weg für eine effiziente Kreislaufwirtschaft im Bauwesen zu ebnen. Durch klare Regeln und Standards könnte die Wiederverwendung auf der Baustelle zur Norm werden – nicht zur Ausnahme.

Deponien am Limit: Droht Deutschland ein Entsorgungsnotstand?
Deutschlands Deponien sind überlastet. Schwindende Kapazitäten und lange Transportwege treiben Kosten in die Höhe und belasten Bauprojekte massiv. Während Bauabfälle weiter zunehmen, geraten Entsorgungssysteme an ihre Grenzen – ein alarmierendes Problem, das dringend gehandelt werden muss.
Was Deutschland von der österreichischen Bodenaushub-Strategie lernen kann
Die Entwicklungen in Österreich rücken ein Thema in den Mittelpunkt, das auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnt: den nachhaltigen Umgang mit Bodenaushub. Allein die Diskussion um eine eigene Aushub-Verordnung im Nachbarland zeigt, wie gezielt hier an Lösungen für mehr Kreislaufwirtschaft im Bauwesen gearbeitet wird – mit konkreten Ansätzen und politischen Signalen.
Deutschland verfolgt ähnliche Ziele im Rahmen bestehender Regelwerke, doch der österreichische Weg wirkt in seiner Klarheit und Zielrichtung bemerkenswert. Besonders die geplante rechtliche Einstufung von Bodenaushub als wiederverwertbare Ressource sendet ein starkes Zeichen: Abfälle dort vermeiden, wo sie gar nicht erst entstehen müssten.
Für die deutsche Fachwelt ist der Blick über die Grenze insofern spannend, als er zeigt, wie durch eine gezielte Verordnung sowohl Umweltziele als auch wirtschaftliche Effekte gleichzeitig angestoßen werden können – etwa durch die Reduktion von Deponiekosten oder kürzere Transportwege. Wie schnell sich dieser Ansatz in Österreich tatsächlich umsetzen lässt, bleibt abzuwarten. Aber er bietet ohne Frage einen konkreten Anstoß für die Debatte auch in Deutschland.





