Die schwache Konjunktur hinterlässt Spuren – besonders in der Bauwirtschaft und der Recyclingbranche. Sinkende Investitionen und eine zurückhaltende Nachfrage setzen dem Kunststoffrecycling und der Verwertung von Bauabfällenzu. Der bvse fordert daher entschlossene Maßnahmen von der Bundesregierung, um die Kreislaufwirtschaft zu stärken und wirtschaftliche Impulse zu setzen. Doch welche Hebel müssen nun in Bewegung gesetzt werden, um Recycling und Bauwirtschaft wieder anzukurbeln?
Konjunkturschwäche trifft Recyclingbranche hart
Die aktuelle Wirtschaftsflaute setzt der deutschen Recyclingbranche massiv zu. Besonders das Kunststoffrecycling leidet unter der schwachen Baukonjunktur, da die Nachfrage nach recycelten Materialien spürbar gesunken ist. Gleichzeitig fehlen gezielte Impulse, um den Markt zu stabilisieren und die Nutzung von Sekundärrohstoffen zu stärken.
Der bvse sieht vor allem im Bereich öffentlicher Investitionen eine Chance, um sowohl die Bauwirtschaft als auch die Kreislaufwirtschaft wieder anzukurbeln. Infrastrukturprojekte könnten eine wichtige Rolle spielen, um Recyclingunternehmen neue Absatzmöglichkeiten zu eröffnen. Allerdings sei es entscheidend, dass öffentliche Bauvorhaben stärker auf nachhaltige Materialkreisläufe ausgerichtet werden.
Ein großes Hindernis bleibt die Vergabepraxis: Trotz gesetzlicher Vorgaben werden recycelte Baustoffe bislang zu wenig berücksichtigt. Laut bvse ist es notwendig, dass sich die öffentlichen Beschaffungsrichtlinien stärker an den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft orientieren. Nachhaltigkeit müsse nicht nur als Ziel formuliert, sondern auch konkret umgesetzt werden.

Bilanz zur Ersatzbaustoffverordnung: Die Mineralikbranche packt an
Die Mineralikbranche hat nach über einem Jahr Ersatzbaustoffverordnung eine bemerkenswerte Bilanz gezogen. Ob Fortschritte bei der Qualitätssicherung, neue digitale Ansätze für das Stoffstrommanagement oder innovative Methoden zur CO₂-Reduktion – die Branche setzt auf praxisnahe Lösungen und unterstreicht ihre Bereitschaft, nachhaltige Standards im Bauwesen zu etablieren. Trotz Erfolgen zeigt sich aber auch: Ohne zusätzliche Unterstützung aus der Politik bleiben einige Herausforderungen bestehen.
Nachhaltige öffentliche Beschaffung als Schlüssel zur Kreislaufwirtschaft
Damit die Kreislaufwirtschaft in Deutschland wirkungsvoller funktioniert, müssen nachhaltige Prinzipien konsequenter in der öffentlichen Beschaffung verankert werden. Der bvse sieht hierin einen zentralen Hebel, um die Nachfrage nach recycelten Materialien zu stärken und geschlossene Stoffkreisläufe effizienter zu gestalten. Besonders der Bausektor bietet enormes Potenzial, da Bauabfälle mit rund 200 Millionen Tonnen pro Jahr den größten Abfallstrom des Landes ausmachen.
Ein wesentlicher Aspekt ist die konsequente Umsetzung der Ersatzbaustoffverordnung, die bereits seit zwei Jahren in Kraft ist. Diese soll sicherstellen, dass aufbereitete Sekundärrohstoffe aus Bau- und Abbruchabfällen verstärkt als Baustoffe verwendet werden. Doch in der Praxis gibt es weiterhin erhebliche Umsetzungsdefizite. Trotz vorhandener Regularien werden Primärrohstoffe oft bevorzugt, während recycelte Materialien nachrangig behandelt werden.
Der bvse fordert daher, dass Vergabeverfahren stärker auf nachhaltige Kriterien ausgerichtet werden. Entscheidend sei nicht nur der Preis, sondern auch ökologische Aspekte wie die CO₂-Einsparung durch Recyclingmaterialien. Nur wenn öffentliche Auftraggeber konsequent auf Sekundärrohstoffe setzen, können die stofflichen Kreisläufe geschlossen und die Abhängigkeit von Primärrohstoffen reduziert werden.

Kreislaufwirtschaft 2045: Wie der Bausektor zum Schlüsselfaktor wird
Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie stößt auf Zustimmung, doch es gibt auch kritische Stimmen. Der Bausektor gilt als zentrale Säule, um den Rohstoffverbrauch bis 2045 zu halbieren. Umweltverbände fordern zudem eine Überarbeitung des rechtlichen Rahmens, um den Ressourcenschutz langfristig zu sichern. Divergierende Meinungen zum Plastikrecycling bleiben eine Herausforderung.
Recyclingverfahren weiterentwickeln – Werkstoffe effizienter nutzen
Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ist ohne leistungsfähige Recyclingtechnologien nicht denkbar. Der bvse betont die Bedeutung des werkstofflichen Recyclings, bei dem Abfälle in ihre ursprünglichen Rohstoffe zurückgeführt und für neue Produkte nutzbar gemacht werden. Dieses Verfahren spielt insbesondere in der Bauwirtschaft eine Schlüsselrolle, da mineralische Bauabfälle, Kunststoffe und Metalle aufbereitet und erneut eingesetzt werden können.
Allerdings gibt es in der Branche weiterhin Herausforderungen. Während das mechanische Recycling als bewährte Methode gilt, ist das chemische Recycling aufgrund seines hohen Energiebedarfs umstritten. Laut dem bvse muss eine differenzierte Betrachtung erfolgen: In einigen Bereichen kann chemisches Recycling eine sinnvolle Ergänzung sein, doch es sollte nicht auf Kosten bereits etablierter, energieeffizienter Verfahren gefördert werden.
Neben der technologischen Weiterentwicklung fordert der Verband auch schnellere und unbürokratischere Genehmigungsverfahren für Recyclinganlagen. Gerade mittelständische Unternehmen stoßen häufig auf langwierige bürokratische Prozesse, die Investitionen in innovative Verfahren erschweren. Eine gezielte Förderung von Forschung und Entwicklung sowie klarere gesetzliche Rahmenbedingungen könnten dazu beitragen, das Recycling weiter zu verbessern und die Nutzung von Sekundärrohstoffen auszuweiten.

Recyclingbaustoffe: Schlüssel zur Kreislaufwirtschaft oder weiterhin Abfall?
Recyclingbaustoffe könnten die Bauwirtschaft transformieren, aber bürokratische Hürden und der Abfallstatus stehen im Weg. Obwohl die Bundesregierung an einer Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie arbeitet, bleiben viele Materialien ungenutzt und landen auf Deponien. Warum diese wertvollen Ressourcen brachliegen und welche Änderungen notwendig sind, wird untersucht.
Energiepolitik als Chance – Wie Recycler wettbewerbsfähig bleiben können
Die hohen Energiekosten stellen eine erhebliche Belastung für die Recyclingbranche dar. Da Recyclingprozesse oft energieintensiv sind, wirken sich steigende Strompreise direkt auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen aus. Der bvse sieht in der aktuellen Energiepolitik der Bundesregierung sowohl Risiken als auch Chancen für die Branche.
Ein positiver Aspekt ist die geplante Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß sowie die Halbierung der Übertragungsnetzentgelte. Diese Maßnahmen könnten Recyclingbetriebe entlasten und die Produktion von Sekundärrohstoffen wirtschaftlich attraktiver machen. Besonders Branchen wie die Papier-, Glas- und Kunststoffverarbeitung könnten von den neuen Regelungen profitieren, was wiederum die Nachfrage nach recycelten Materialien stärken würde.
Allerdings bleibt der Bürokratieaufwand für viele Unternehmen ein Problem. Die zahlreichen Berichts-, Dokumentations- und Statistikpflichten sowie komplizierte Genehmigungsverfahren bremsen Investitionen in den Ausbau von Recyclinganlagen. Der bvse fordert daher weitere Maßnahmen zum Bürokratieabbau, um Innovationen zu erleichtern und der Branche mehr Planungssicherheit zu geben. Entscheidend sei, dass die politischen Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass die Kreislaufwirtschaft langfristig wettbewerbsfähig bleibt.