Entsorgung von Bauabfällen: Warum neue Regelungen die Preise steigen lassen

Die Kosten für die Entsorgung von Bauabfällen steigen erheblich an. Von Dämmmaterialien über Dachpappe bis hin zu belastetem Altholz – private und gewerbliche Anlieferer müssen künftig deutlich tiefer in die Tasche greifen. Besonders die Entsorgung von schwer belasteten Materialien wie Asbest oder künstlichen Mineralfasern wird spürbar teurer. Die neuen Preise machen die Bauabfallentsorgung zu einer finanziellen Herausforderung für viele.

Landkreis Diepholz – Die Kosten für die Entsorgung von Bauabfällen steigen erheblich. Strengere gesetzliche Vorgaben und neue Verordnungen setzen die Baubranche unter Druck, während höhere Recyclingpreise die Belastung weiter verstärken. Diese Entwicklungen spiegeln die Herausforderungen wider, vor denen eine der ressourcenintensivsten Branchen Deutschlands steht.

Teure Entsorgung: Bauabfälle im Fokus neuer Regeln

Im Landkreis Diepholz müssen sich private und gewerbliche Anlieferer auf spürbar höhere Kosten bei der Entsorgung von Bauabfällen einstellen. Das Entsorgungszentrum in Bassum, betrieben von der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG), hebt die Preise für problematische Baustoffe deutlich an. Besonders betroffen sind Dämmmaterialien aus künstlichen Mineralfasern wie Stein- oder Glaswolle. Hier steigen die Kosten von bisher 450 Euro auf 650 Euro pro Tonne, während der Preis pro Kubikmeter von 75 auf 100 Euro klettert.

Auch für Dachpappe werden die Entgelte angehoben: Statt 300 Euro pro Tonne zahlen Anlieferer nun 320 Euro. Die Entsorgung asbesthaltiger Abfälle, die nur gut verpackt angenommen werden, wird ebenfalls teurer – von 130 auf 180 Euro pro Tonne. Beim Altholz steigen die Preise abhängig vom Belastungsgrad. Stark belastetes Material kostet künftig 140 Euro pro Tonne, statt wie bisher 130 Euro. Für gemischte Baustellenabfälle liegt das Regelentgelt nun bei 185 Euro pro Tonne.

Privathaushalte, die Hausabfälle mit mechanisch-biologischer Vorbehandlung anliefern, sind ebenfalls von den Anpassungen betroffen. Abhängig von der Verdichtung des Materials steigen die Gebühren um bis zu 10 Euro pro Kubikmeter. Die neuen Preise unterstreichen, wie stark gesetzliche Vorgaben und wirtschaftliche Faktoren die Entsorgungskosten beeinflussen.

CO₂-Bepreisung und Ersatzbaustoffverordnung treiben Kosten

Die Preiserhöhungen für die Entsorgung von Bauabfällen sind eng mit neuen gesetzlichen Vorgaben und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verknüpft. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Bundesimmissionshandelsgesetz, das eine CO₂-Bepreisung vorschreibt. Seit Beginn des Jahres 2024 sind im Abfallbereich für jede ausgestoßene Tonne CO₂ zusätzliche 45 Euro zu zahlen.

Ein weiterer Kostenfaktor ist die Ersatzbaustoffverordnung (EBV). Diese regelt die Herstellung und Verwertung von mineralischen Ersatzbaustoffen in Bauprojekten und soll die Umweltbelastung reduzieren. Diese Anforderungen führen jedoch zu steigenden Aufbereitungskosten, die an die Anlieferer weitergegeben werden.

Auch die Recycler selbst haben ihre Preise erhöht. Laut Dominik Albrecht, Pressesprecher der AWG, sei eine Anpassung der Gebühren unumgänglich gewesen. Zudem sollen die Entgelte auf den Wertstoffhöfen weiterhin identisch mit den gewerblichen Anlieferpreisen bleiben, was eine gleichmäßige Verteilung der Kosten sicherstellt.

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Ersatzbaustoffverordnung ein Jahr danach: Bauwirtschaft enttäuscht

Ein Jahr nach Inkrafttreten der Ersatzbaustoffverordnung herrscht Ernüchterung in der Bauwirtschaft. Anstatt den Einsatz von Recyclingbaustoffen zu fördern, sorgen bürokratische Hürden und rechtliche Unsicherheiten für Stillstand. Viele Unternehmen zögern, Ersatzbaustoffe zu nutzen, was die angestrebten Fortschritte in der Kreislaufwirtschaft ausbremst. Die Verordnung droht, ihre Ziele zu verfehlen.

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Der Bausektor als Schlüsselfaktor für Klimaneutralität

Der Bausektor spielt eine zentrale Rolle in der deutschen Klimastrategie, die bis 2045 Klimaneutralität erreichen will. Doch gleichzeitig ist die Branche einer der größten Verursacher von Umweltbelastungen. Laut dem Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) ist die Baubranche für rund 40 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich und produziert etwa 60 Prozent des globalen Mülls.

Ein besonders kritischer Punkt ist die geringe Wiederverwertungsquote: Nur ein Prozent der verbauten Materialien wird erneut genutzt. Der RNE hebt hervor, dass gerade in dieser Ressourcenschonung enormes Potenzial liegt, um die Umweltauswirkungen der Baubranche zu reduzieren.

Die neuen gesetzlichen Vorgaben und Preisentwicklungen, wie sie etwa im Landkreis Diepholz umgesetzt werden, sollen einen Anreiz schaffen, umweltfreundlichere Methoden in der Branche zu etablieren. Der Fokus liegt darauf, Baustoffe effizienter zu recyceln und so den Einsatz von Primärrohstoffen zu verringern.

RC-Baustoffe als Lösung für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft

Ein zentraler Baustein für eine klimafreundlichere Bauwirtschaft ist die Nutzung von Recycling-Baustoffen (RC-Baustoffen). Durch die Aufbereitung mineralischer Bau- und Abbruchabfälle entstehen Materialien, die im Hoch- und Tiefbau wiederverwendet werden können. Damit trägt die Branche nicht nur zur Ressourcenschonung bei, sondern fördert auch die Kreislaufwirtschaft.

Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) der Bundesregierung unterstreicht die Bedeutung von RC-Baustoffen. Dennoch sind gesetzliche Hürden oft ein Hemmschuh für ihren verstärkten Einsatz. Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, erklärt, dass die Branche technisch zu weit mehr fähig sei, als aktuell erlaubt ist.

Ein weiteres Problem: Öffentliche Auftraggeber schreiben RC-Baustoffe häufig nicht aus oder lassen sie in Bauprojekten nicht zu. Müller betont, dass ohne eine stärkere Unterstützung seitens der Politik die Ziele der Kreislaufwirtschaft nicht erreicht werden können. Gleichzeitig könnten erweiterte Einsatzmöglichkeiten von RC-Baustoffen die hohen Entsorgungskosten der Branche nachhaltig senken.

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