Ein spektakulärer Schlag gegen Umweltkriminalität erschüttert NRW: In einer landesweiten Razzia durchsuchten gestern Ermittler über 50 Objekte. Im Fokus stehen kriminelle Netzwerke, die offenbar systematisch belastete Böden illegal entsorgt haben – unter anderem im Tagebau Garzweiler. Die Ermittlungen fördern erschreckende Details zutage.
Großrazzia gegen Umweltverbrechen – über 50 Objekte durchsucht
In einer der größten Aktionen dieser Art in NRW haben Polizei und Staatsanwaltschaft gestern mehr als 50 Objekte durchsucht – darunter Wohnungen und Firmenstandorte. Über 300 Einsatzkräfte waren beteiligt. Im Zentrum stehen Ermittlungen gegen ein mutmaßlich kriminelles Netzwerk, das systematisch gegen Umweltauflagen verstoßen haben soll.
Nach Angaben des Landeskriminalamts handelt es sich um einen außergewöhnlich schweren Fall von Umweltkriminalität. Justizminister Limbach sprach von einer „organisierten Struktur“, die über Jahre hinweg aktiv gewesen sein könnte.
Illegale Entsorgung im Tagebau Garzweiler und Umgebung
Im Zentrum der Ermittlungen steht der Verdacht, dass große Mengen kontaminierter Böden illegal entsorgt wurden – unter anderem im Tagebau Garzweiler, in Kiesgruben und auf ehemaligen Zechengeländen. Laut Staatsanwaltschaft wurden dort tonnenweise belastete Materialien abgeladen – ohne jede umweltgerechte Behandlung oder Genehmigung.
Besonders brisant: In einem aktuellen Fall im Kreis Recklinghausen sollen mehrere Dutzend Sattelschlepper mit verdächtigem Material vorgefahren sein. Drohnenaufnahmen der Ermittler zeigen, wie zwei Planierraupen die giftige Fracht verteilen und ebnen – ein Hinweis auf systematisches Vorgehen.
Die mutmaßlichen Täter sollen nicht nur gegen Entsorgungsauflagen verstoßen, sondern auch aktiv Kosten für reguläre Verfahren abgerechnet haben – obwohl das Material nie fachgerecht behandelt wurde. Das Ausmaß dieser illegalen Abfallentsorgung deutet auf professionelle Strukturen hin.

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Gefälschte Wiegebelege und manipulierte Software im Fokus der Ermittlungen
Neben der illegalen Entsorgung selbst rücken nun auch massive Manipulationen bei der Dokumentation in den Fokus der Ermittlungen. Das Landeskriminalamt hat auf einem sichergestellten Computer rund 54.000 mutmaßlich gefälschte Wiegebelege entdeckt. Diese stammen offenbar von Lkw-Ladungen mit belastetem Material, das illegal abgeladen wurde.
Die Belege wurden nicht manuell gefälscht, sondern mithilfe einer speziell entwickelten Software, die eigens für diesen Zweck manipuliert worden sein soll. Dadurch konnten falsche Gewichtsangaben und Mengen erstellt werden – ein entscheidender Bestandteil der Verschleierungstaktik des Netzwerks.
Solche systematische Fälschung deutet laut Ermittlern auf ein ausgeklügeltes Vorgehen hin, das weit über einzelne Fehltritte hinausgeht. Es geht nicht nur um Umweltverstöße, sondern auch um betrügerische Abrechnungen, bei denen für fachgerechte Entsorgung bezahlt wurde – ohne dass diese stattfand.
Politik und Behörden warnen vor „organisierter Umweltkriminalität“
NRW-Justizminister Benjamin Limbach fand deutliche Worte für die Dimension des Falls: Es handele sich um keine Bagatellen, sondern um organisierte Umweltkriminalität, die systematisch Gewinne auf Kosten von Natur und Gesellschaft erzielt habe. Solche Delikte müssten mit der gleichen Entschlossenheit verfolgt werden wie andere Formen von organisierter Kriminalität.
Auch Innenminister Herbert Reul lobte die Ermittlungsarbeit und warnte zugleich vor der oft unterschätzten Gefahr: Umweltstraftaten seien eine „stille Kriminalität“ – weit weniger sichtbar als andere Verbrechen, aber nicht weniger gefährlich. Wer verseuchte Böden unkontrolliert in die Umwelt bringe, gefährde langfristig Böden, Gewässer und Gesundheit.
Besonders brisant: Nach Informationen des WDR wird auch gegen eine Firma aus Datteln ermittelt, die tausende Tonnen asbestverseuchter Böden illegal entsorgt haben soll. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, wäre dies ein weiterer Beleg für die systematische und skrupellose Vorgehensweise innerhalb des Netzwerks.
Quellen:
- Staatsanwaltschaft Dortmund
- Landeskriminalamt NRW